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Prekäre Arbeitsverhältnisse

9. Türchen

Prekäre Arbeitsverhältnisse

Ehrlichkeit und Politik sind nicht zwingend siamesische Zwillinge. Doch in einem Bereich ist die Abweichung zwischen Forderung und eigenem Handeln besonders offensichtlich. Bei Ihrer Interpretation eines fairen Angestelltenverhältnisses. Zwar wettern führende Politiker -gerne auch die Minister im Bundesarbeitsministerium – regelmäßig gegen Leiharbeit und prekäre Arbeitsverhältnisse. In den eigenen staatlichen Betrieben sieht unbezahlte Praktika und prekäre Arbeitsverhältnisse keinesfalls als unmoralisch an. Warum auch? Moral und Anstand sind Elemente der freien Marktwirtschaft…

Lehrer auf Abruf

Besonders stoßend ist der Umgang des Staates mit Lehrern. In diesem Bereich gehören prekäre Arbeitsverhältnisse zur Tagesordnung. Das ist einfach nur dumm. Denn bekanntlich ist Bildung unser wichtigster Rohstoff überhaupt. Wir hätten alles Interesse daran, das Berufsbild der Lehrer so attraktiv wie möglich zu halten. Nur so können wir im „war of the talents“ die Besten Kräfte dafür begeistern und gewinnen.

Die Aussicht, jahrelang auf eine Festanstellung warten zu müssen, unterstützt dieses Ziel nicht wirklich. Denn wer tritt schon mit Begeisterung eine Ausbildung an, wenn am Ende wirtschaftliche Unsicherheit blüht? Oder die Aussicht auf lange Zeit von seinem potentiellen Arbeitgeber als willige Schachfigur „benutzt“ zu werden. Die Antwort ist klar: Nur die Naiven und jene, welche gut genug waren, um von der Wirtschaft vorher abgefischt zu werden.

Wenn sich Forscher von Projekt zu Projekt hangeln

Auch in der Forschung und Lehre finden wir überdurchschnittlich viele prekäre Arbeitsverhältnisse. Wie viel sinnvolle Energie wird hier verschwendet, weil Forscher und Forscherinnen einen Großteil ihrer Zeit mit der Mittelbeschaffung beschäftigt sind. Weil sie sich alle paar Monate nicht mehr sicher sein können, woher zukünftig das Geld für die Bestreitung ihres Lebensunterhaltes kommt.

Am Sonntag die Sozialpartnerschaft predigen. Schon am Montag dasdazu passende Arbeitsgesetz verabschieden. Am Dienstag bürokratische Kontrollmechanismen einführen um bereits am Mittwoch festzustellen, dass das Ganze für den Staat zu unhandlich ist. Den Rest der Woche das Gegenteil von dem tun, was man am Sonntag großspurig verlangt hat. Die Schizophrenie der Politik im Umgang mit Arbeit und Mitarbeitern.

Der Staat muss ein vorbildlicher Arbeitgeber sein

Hinter dem Türchen 8 stand die Forderung, dass das Beamtentum im Staatsbetrieb zurückgedrängt werden muss. Beamtet soll nur noch werden, wer einen zwingend notwendigen Schutzes braucht. Alle anderen sollen nach dem üblichen Arbeitsrecht angestellt werden.

Es ist wichtig, dass der Staat ein guter Arbeitgeber ist. Er soll anständig zahlen und seine Mitarbeiter ebenso anständig behandeln. Staatsangestellte sollen sich sicher und wohl fühlen. Das ist wichtig, denn sie sollen etwas zu verlieren haben.

Denn wenn ein Bedarf wegfällt oder keine angemessene Leistung gebracht wird, muss man sich von seinen Mitarbeitern wieder trennen können. Wie im richtigen Leben. Solange die Prozesse dahinter fair und nachvollziehbar sind, ist daran nichts Schlechtes.

Dass der Staat seine eigenen – von der Politik formulierten – Vorschriften und Gesetze umgeht oder missachtet beweist nur eines: sie sind nicht praktikabel. Deshalb müssen das Beamtenrecht und das Arbeitsrecht der Realität angepasst werden. Doch das sind politische Projekte. Prekäre Arbeitsverhältnisse müssen weg, weil sie unanständig und unmoralisch sind. Und dumm.

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