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Der freie Markt

6. Türchen

Der freie Markt

Der freie Markt kennt nicht mehr viele Anhänger. Noch zur Jahrtausendwende überboten sich die Politiker mit Forderungen, wie man die Wirtschaft von den staatlichen Fesseln befreien könne. Denn alleine das Spiel von Angebot und Nachfrage könne dafür sorgen, dass Leistungen billiger, besser und effizienter erbracht werden könnten. Heute, nachdem das staatliche Tafelsilber weitgehend verscherbelt und der Wirtschaft große Zugeständnisse gemacht wurden, weiß man es besser: Der freie Markt ist doch kein Allerheilmittel.

Wobei, woher kommt diese Erkenntnis? Was bringt uns dazu zu glauben, der freie Markt hätte versagt?

Die Pseudo-Liberalisierung

Spätestens seit der Finanzkrise ab 2007 sollte dem hintersten und letzten Menschen klar sein, dass wir keinen freien Markt haben. Denn ein freier Markt setzt zum einen voraus, dass es so etwas wie ein freies Handeln und einen fairen Wettbewerb gibt und zum andern, dass ein Fehlverhalten bestraft wird. Zur Not mit dem Verlust aller Vermögenswerte. Genau das ist aber nicht der Fall.

Der Staat ist im Wettbewerb nicht neutral, sondern gibt wichtigen Leistungserbringern Wettbewerbsvorteile. Die letzte Meile der Telekom oder das Streckennetz der Deutschen Bahn sind dafür klassisches Beispiele. Aber längst nicht alle Eingriffe sind so deutlich zu sehen, sondern laufen informell ab – wie etwa die staatlich orchestrierte Übernahme der Air Berlin durch die Lufthansa.

Wenn der Staat eingreift, ist der Markt nicht frei

Des Weiteren werden Fehlleistungen dank staatlicher Interventionen nicht bestraft. Die Commerzbank ist dafür nur ein offensichtliches Beispiel. Eigentlich dürfte es das Finanzhaus nicht mehr geben. Zumindest dürfte es nicht mehr in privater Hand liegen, denn wenn eine Firma pleitegeht, müsste das Geld der Anleger eigentlich futsch sein. Ist es aber nicht. Auch hier gibt es – etwa über den EUR Rettungsschirm – viele verdeckte Hilfestellungen, welche dazu führen, dass das System ausgehebelt wird.

Oder der Wohnungsmarkt. Weshalb sinken die Preise für Mieten in den Ballungszentren nicht, obwohl viele Mieter sich die Mieten nicht mehr leisten können? Weil sie durch staatliche Mietzuschüsse hochgehalten werden.

Man könnte tagelang Beispiele aufführen, wie der Staat in die Preisbildung eingreift, den freien Wettbewerb behindert und verhindert, dass falsche Unternehmensentscheide angemessen bestraft werden.

Das Problem der Liberalisierung ist nicht, dass das Prinzip des freien Marktes falsch wäre. Das Problem ist, dass die Liberalisierung von der Politik nicht wirklich im Sinne der Idee gestaltet wurde. Denn von einem freien Markt kann beim besten Willen nicht gesprochen werden, wenn Marktteilnehmer per Gesetz Wettbewerbsvorteile erhalten.

Evolution setzt Selektion voraus

Der eigentliche Sündenfall besteht jedoch darin, dass man bei jeder Gelegenheit versucht, die reinigende Kraft des Marktes außer Kraft zu setzen. Ja, Firmen die schlechte Entscheidungen treffen und zu große Risiken eingehen, können Pleite gehen. Natürlich gehen dabei auch Arbeitsplätze und Ersparnisse verloren. So ist das einer freien Wirtschaft. Risiken können belohnt, aber auch bestraft werden. Nimmt man den Anlegern und Unternehmern die Angst vor einem Verlust, fehlt der Gier das notwendige Gegengewicht. Die Folgen sind für die Gesellschaft verheerend.

Der freie Markt ist kein Wundermittel

Ein freier Markt führt also nicht zwingend zum Paradies auf Erden. Die Wechselwirkung von Angebot und Nachfrage sorgt jedoch dafür, dass das nötige Angebot entsteht und jede Form von Exzess früher oder später angemessen bestraft wird. Damit dieser Markt aber auch tatsächlich funktionieren kann, muss sich der Staat weitgehend aus diesem Prozess raushalten.

»Weitgehend« steht für übergeordnete Interessen. So sollte es zum Beispiel allgemeiner Konsens sein, dass alle Beteiligten die notwendige Infrastruktur für Bildung, Gesundheit und die Netze für Kommunikation, Verkehr und Versorgung gemeinsam tragen. Die Bereitstellung dieser Grundinfrastruktur ist eine klassische gemeinschaftliche Aufgabe. Sie verhindert, dass Teile des Landes und Bevölkerungsgruppen abgehängt werden.

Fehlende Moral, Anstand und gesellschaftliche Verantwortung sind keine politischen Probleme

Gier ist ein gewünschter Motivationsfaktor im wirtschaftlichen Leben. Exzessive Raffgier, wie wir sie immer häufiger und immer extremer erleben sind allerdings ein Problem. Kein politisches, sondern ein gesellschaftliches Problem. Um diese Gesellschaft von der Raffgier zu befreien, braucht es keine staatlichen Eingriffe, sondern einen gesellschaftlichen Wande

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