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Chancengleichheit

4. Türchen

Chancengleichheit

Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit gehört seit vielen Jahrzehnten zum Standardvokabular jeder Volkspartei. Das ist so verlogen, wie sinnlos. Soziale Gerechtigkeit lässt sich nicht erreichen. Ganz einfach deshalb, weil jeder eine andere Vorstellung davon hat, was darunter zu verstehen ist. Ehrlicher wäre, wenn die Parteien offen dazu stehen würden, dass sie in Wirklichkeit reine Interessensvertreter sind. Als solche versuchen sie bestenfalls Gerechtigkeit im Sinne ihrer Wähler herzustellen.

Wichtiger und konkreter wäre es, wenn man sich auf das Herstellen von Chancengleichheit konzentrieren würde. Wenn alle die gleichen Chancen haben, profitiert nicht nur das einzelne Individuum, sondern die Gesellschaft als Ganzes. Denn Chancengleichheit bedeutet, dass das vorhandene Potential einer Gesellschaft umfassend ausgeschöpft werden kann.

Dass alle die gleichen Chancen haben  wäre (eigentlich) im Interesse aller

Die Geschichte lehrt uns, dass jene Gesellschaften, welche dieses Prinzip konsequent befolgt haben, sich jeweils überdurchschnittlich entwickeln konnten. Sie zeigt aber auch, dass zunehmender Wohlstand und Reichtum immer wieder dazu führte, dass die Chancengleichheit zu Gunsten der Bestandssicherung der Elite beschnitten wurde. War dieser Punkt erreicht, verlor das Erfolgsmodell meist rasch an Glanz.

Chancengleichheit ist also ein wichtiger Treibstoff für gesellschaftliche Entwicklungen. Und damit ist selbstverständlich nicht nur der Wirtschaftsbereich gemeint!

Was ist unter Chancengleichheit zu verstehen? Im Kern geht es darum, dass jeder Mensch die Möglichkeit erhält, sich entsprechend seinen Fähigkeiten und seinem Einsatz zu entwickeln.

Eine absolute Chancengleichheit ist nicht zu erreichen

Dabei müssen wir uns nichts vormachen. Natürlich kann eine absolute Chancengleichheit in einer Welt, in der es große Bildungs-, Einkommens- und Vermögensunterschiede gibt, nicht erreicht werden. Der Staat und die Gesellschaft müssen aber sicherstellen, dass diese Faktoren nicht faktischen Ausschlusskriterien bilden.

Chancengleichheit bedeutet nicht, dass alle das Rennen bei Null beginnen können. Es bedeutet, dass alle die Möglichkeit haben das Ziel zu erreichen!

Entsprechend müssen alle künstlichen Hürden so gut als möglich beseitigt werden. Außerdem muss das notwendige Geld zur Verfügung gestellt werden, damit Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und des Geschlechts die Chance erhalten, ihr Potential voll zu entwickeln. Diese Förderung muss zwingend bereits in jungen Jahren einsetzen, weil hier die größte Wirkung erzielt werden kann.

Der Kampf gegen Ungleichheit beginnt im Kopf

Chancengleichheit ist keineswegs ein rein politisches Postulat. Es reicht nicht, wenn der Staat Bildung fördert und Hürden abbaut. Mindestens genau so wichtig sind die Barrieren im Kopf. Diese finden sich keineswegs nur bei privilegierten Bevölkerungsschichten, sondern sind auch in sozial weniger bevorteilten Gruppen stark verbreitet. Die „freiwillige“ Selbstbeschränkung von Arbeiterfamilien steht der Chancengleichheit deshalb genau so entgegen, wie das Klassen- und Bestandserhaltungs-Denken der Eliten.

Deshalb darf die Förderung von Unterprivilegierten nicht alleine auf administrative und finanzielle Schritte beschränken. Man muss das Gespräch zu suchen und Überzeugungsarbeit leisten. Damit lassen sich zwar keine Wahlen gewinnen, sollte aber trotzdem als wichtige bürgerliche Pflicht verstanden werden.

 

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