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Arbeitsmarkt

16. Türchen

Arbeitsmarkt

Wenn man in Deutschland Wahlen verlieren will, muss man einen liberalen Arbeitsmarkt fordern. Reflexartig entsteht bei dieser Forderung eine Sturmflut des Protestes, welcher jene vom politischen Spielfeld spült, welche sich erdreistet haben auch nur mit dem Gedanken zu spielen, dass den Arbeitsmarkt von den Fesseln des Gerechtigkeitswahns zu befreien.

Klassenkampf war vorgestern

Tatsächlich sind die Gegner eines freien Arbeitsmarktes Kinder von Gestern. Eigentlich von Vorgestern. Sie sind gefangen in einem Denken, welches immer noch geprägt ist vom Klassenkampf des vorletzten, bei gutem Willen, des Beginns des letzten Jahrhunderts. Tatsächlich ist die Realität aber inzwischen MEILENWEIT von Klassenkampf entfernt. Nicht, weil es keine Interessenskonflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern gäbe. Auch nicht, weil inzwischen der Gegensatz von Arbeit und Kapital überwunden worden wäre. Sondern, weil die Arbeitnehmer von heute entweder zu übergewichtig oder zu träge sind, sich mit Klassenkampf mental auseinander zu setzen.


Klassenkampf ist doof

Bei genauerer Betrachtung wäre es sogar wünschenswert, wenn sich die Arbeitnehmer besser organisieren und für einen besseren Ausgleich kämpfen würden. Tun sie aber nicht. Da hilft es auch nicht, wenn die Beziehung zwischen oben (Kapital, Arbeitsgeber, Firma) und unten (Arbeitnehmer, Angestellte, Lohnabhängige) durch rechtliche Regelungen in ein unflexibles Korsett gepfercht werden.

Klassenkampf ist doof und so etwas von 1918, dass man ihn überwinden sollte. Und zwar beidseitig. Die beiden Vertragsparteien sollten den Zustand des Erwachsenseins erreichen und sich auch entsprechend verhalten.

  • Beide Parteien haben in einem globalen Wettbewerb eigentlich ein deckungsgleiches Ziel: Erfolg zu haben.
  • Erwachsene setzen sich angesichts dieser Zielsetzung an einen Tisch und überlegen sich, was beide Seiten dazu beitragen können, um diesen Erfolg gemeinsam zu sichern. Am Ende wird die Beute geteilt. Nun bekommen Arbeitnehmer eine garantierte Vorabentschädigung in Form von Lohn und Gehalt, weshalb die Beute am Ende natürlich kleiner ausfallen muss. Trotzdem wäre eine faire Erfolgsbeteiligung ein gutes Mittel, die Interessen gleichzuschalten. Dabei muss klar sein, dass a.) nur geteilt werden kann, was vorhanden ist und b.) ein Deal nur dann auf Dauer ein guter Deal ist, wenn alle Parteien dabei gewinnen…

Gleiche Spieße am Arbeitsmarkt

Wie pervers ein überregulierter Arbeitsmarkt wirkt, sei an folgenden zwei Beispielen exemplarisch dargestellt:

  • Wenn ein Arbeitgeber keine Chancen hat, sich ohne großen Streß von überzähligem, unpassenden oder unfähigem Personal zu treffen, wird er keine Leute einstellen. Vielmehr wird er auf Zeitarbeit setzen. Das kostet ihn zwar im Moment mehr, spart ihm aber langfristig viel Geld und Ärger ein. Die betroffenen Arbeitnehmer leiden unter einem Mangel an Sicherheit und Perspektive und verdienen weniger als ihre festangestellten Kollegen am Nebentisch. Macht das wirklich Sinn?
  • Wenn ein Arbeitgeber zur Einsicht gelangt, dass die Zusammenarbeit mit einem Angestellten keinen Sinn mehr macht, sollte er ihn einfach kündigen können. Kann er das nicht, wird er trotzdem versuchen ihn loszuwerden. Allerdings wird das in vielen Fällen so sein, dass der Angestellte danach zur Therapie muss, weil ihn Mobbing an die Belastungsgrenzen getrieben hat. Macht das Sinn?

Arbeitnehmer sind längt keine Opferlämmer mehr. Wer qualifiziert ist, wechselt seine Stelle wann immer es angezeigt erscheint. Das ist gut so. Allerdings gibt es keinen vernünftigen Grund, weshalb die Arbeitgeberseite das nicht auch tun darf. Und das zu jeder Phase des Arbeitsverhältnisses.

Das diese mit Augenmaß zu geschehen hat, ist keine Frage des Arbeitsrechts, sondern des sozialen Gewissens. Dieses entsteht nicht durch ein unflexibles Arbeitsrecht, sondern durch Einsicht. Entweder, weil man dank seiner menschlichen Züge zur Einsicht kommt, dass man auch als Arbeitgeber soziale Pflichten hat. Oder durch den Druck von Konsumenten. Sind letztere nicht in der Lage den entsprechenden Druck durch ein konsequentes Kaufverhalten aufzubauen, braucht es auch keine Gesetzgebung, die Moral und Verantwortung simuliert.

Unflexibler Arbeitnehmerschutz hilft den Falschen

Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe hängt davon ab, dass möglichst optimale Kombinationen von Fähigkeiten, Wissen, Erfahrung und Sozialkompetenz zum Einsatz kommen. Dieses Zusammenspiel ist nicht fix, sondern muss unter Umständen laufend angepasst werden. Nur ein flexibles Arbeitsrecht lässt das zu.

Ein unflexibles Arbeitsrecht behindert den Aufbau von regulären Arbeitsplätzen, fördert das Mobbing, behindert die Optimierung der Personalstruktur und schützt jene, welches es sich im Schutze des Arbeitsrechtes bequem machen. Letzteres sind nicht etwa Alte und Schwache, welche im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihr Bestes geben. Es sind Schmarotzer, welche ihr Dasein auf Kosten ihrer Kolleginnen und Kollegen und zu Lasten der Betriebe fristen.

Das macht keinen Sinn.

Was die Schweiz kann, sollte auch für Deutschland gehen

Wer glaubt, dass Wohlstand und Sicherheit nur mit einem verknöcherten Arbeitsrecht möglich ist, sollte einen Blick in die Schweiz werfen. Dort ist der Arbeitsmarkt wegen schwachen Gewerkschaften, aber einer funktionierenden Sozialpartnerschaft, viel liberaler. Trotzdem sehen wir dort eine tiefere Arbeitslosigkeit und höhere Löhne. Es scheint also zu gehen.

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